Autor: Technische Abteilung von Mycond
Die Optimierung des Energieverbrauchs von Gebäuden wird für Schweizer Ingenieure und Immobilieneigentümer immer relevanter. Dies gilt insbesondere für Objekte mit erhöhter Feuchtigkeit, in denen Luftentfeuchter unverzichtbare Ausrüstung sind. Zu beachten ist, dass Kondensationsentfeuchter nicht nur Feuchtigkeit entfernen, sondern auch eine beträchtliche Menge Wärme freisetzen, die üblicherweise in den Raum abgegeben wird. Die Integration dieser «Abwärme» in Heizungssysteme kann die Gesamtenergieeffizienz der Anlage deutlich steigern.
Wärmebilanz des Kondensationsentfeuchters – Quelle der Abwärme
Der thermodynamische Kreisprozess eines Kondensationsentfeuchters basiert auf dem Prinzip, die Luft unter den Taupunkt zu kühlen. Feuchte Luft strömt über den kalten Verdampfer, kühlt ab, überschüssiger Wasserdampf kondensiert und wird abgeführt. Anschliessend passiert die entfeuchtete Luft den Kondensator, erwärmt sich und kehrt mit geringerer Feuchte, aber höherer Temperatur in den Raum zurück.
Die Energiebilanz des Entfeuchters zeigt, dass die am Kondensator abgegebene Wärme die Summe aus drei Komponenten ist:
- Latente Wärme der Wasserkondensation
- Kompressorarbeit
- Sensible Wärme der Luft
Die latente Wärme der Kondensation ist die Energie, die beim Phasenübergang des Wasserdampfs am Verdampfer in den flüssigen Zustand frei wird. Sie berechnet sich als Produkt aus Entfeuchtungsleistung (in kg/h) und Verdampfungswärme, die von der Kondensationstemperatur abhängt und üblicherweise 2300–2500 kJ/kg beträgt. Wichtig: Dies ist keine Konstante, sondern ein Wert aus Wasserdampftabellen für die jeweilige Temperatur.
Die Kompressorarbeit ist die elektrische Leistung, die der Kompressor aufnimmt; sie entnimmt man den technischen Daten des Entfeuchters oder einer Berechnung des Kältekreises.
Die sensible Wärme der Luft ist die zusätzliche Erwärmung der durch den Entfeuchter strömenden Luft; ihre Grösse hängt von Aufbau und Betriebszustand ab.
Der psychrometrische Prozess im h-x-Diagramm beschreibt die Trajektorie der Luft durch den Entfeuchter: Zuerst Abkühlung und Entfeuchtung am Verdampfer, danach Erwärmung am Kondensator.

Theoretische Grundlagen der Wärmerückgewinnung: Potenzial des Kondensators und Temperaturniveaus
Wichtig ist, den Unterschied zwischen der Kondensationstemperatur des Kältemittels und der Temperatur des Wärmeträgers zu verstehen. Die Kondensation des Kältemittels erfolgt bei einer Temperatur, die sich aus der Temperatur des Kühlmediums (Luft oder Wasser) am Kondensator plus der Temperaturdifferenz des Wärmetauschers ergibt.
Für einen luftgekühlten Kondensator in einem Raum mit 25°C kann die Kondensationstemperatur 35–45°C betragen. Für einen wassergekühlten Kondensator mit 30°C Wassertemperatur kann die Kondensationstemperatur 40–50°C betragen. Dies sind keine universellen Konstanten, sondern Ergebnisse einer Berechnung für die jeweiligen Bedingungen.
Die Leistungszahl (COP) von Entfeuchtern hat zwei Definitionen:
- Thermischer COP ist das Verhältnis der Kondensatorwärme zur Kompressorarbeit (Wärmeabgabe / Stromaufnahme)
- Kälte-COP ist das Verhältnis der Verdampferwärme zur Kompressorarbeit (Kälteleistung / Stromaufnahme)
In Katalogen wird für Entfeuchter oft SMER (Specific Moisture Extraction Rate) in l/kWh oder kg/kWh angegeben, was eine andere Kennzahl als der COP ist.
Bei der Berechnung der zurückgewonnenen Wärme verwenden wir einen vereinfachten Ansatz: Die Kondensatorwärme ergibt sich aus der Energiebilanz (latente Wärme plus Kompressorarbeit), wobei die Arbeit den technischen Daten des Entfeuchters entnommen wird.
Im Vergleich zu einer Luft-Wasser-Wärmepumpe hat der Entfeuchter einen Vorteil: Er entnimmt die Wärme der Innenluft (20–25°C), während die Wärmepumpe der Aussenluft, die im Winter zwischen –10 und +10°C liegen kann. Das sorgt für stabilere Verdampferbedingungen im Entfeuchter.
Das Rückgewinnungspotenzial hängt von der Temperaturdifferenz, dem Typ des Wärmetauschers und dem Betriebsmodus ab. Bei korrekter Auslegung des Wärmetauschers und abgestimmten Temperaturniveaus kann ein grosser Teil der Kondensatorwärme in eine Nutzlast abgeführt werden; die konkrete Grösse hängt jedoch von den Systemparametern ab.
Integrationsschemata: drei grundlegende Ansätze
Es gibt drei grundlegende Schemata für die Integration von Entfeuchtern in Heizungssysteme:
- Separater Wasser-Wärmetauscher: Ein Platten- oder Rohrbündelwärmetauscher wird auf der Kondensatorseite installiert. Die heisse Seite ist das Kältemittel bzw. die Luft nach dem Kondensator (abhängig von der Entfeuchterkonstruktion), die kalte Seite ist das Wasser des Heizsystems oder der Warmwasserbereitung. Der Anschluss erfolgt an die Rücklaufleitung der Heizung oder den Warmwasserkreis unter Verwendung einer Umwälzpumpe, eines Ausdehnungsgefässes und von Abgleichventilen. Vorteil: Einfachheit und Nachrüstbarkeit bestehender Anlagen. Nachteil: zusätzlicher hydraulischer Widerstand und der Bedarf an einer separaten Umwälzpumpe.
- Kaskadeneinbindung mit Wärmepumpe: Der Entfeuchter erwärmt Wasser von T1 auf T2 (z. B. von 20°C auf 40°C), die Wärmepumpe hebt von T2 auf T3 (z. B. von 40°C auf 60°C) für die Warmwasserbereitung an. Dazwischen wird ein Pufferspeicher zur Glättung der Betriebszustände installiert. Vorteile: Entlastung der Wärmepumpe und höhere Gesamt-Leistungszahl des Systems, da die Wärmepumpe mit vorgewärmter Quelle arbeitet. Nachteile: komplexere Automatisierung und Abstimmung der Betriebsarten beider Geräte erforderlich.
- Direkte Niedertemperatur-Verbraucher: Die Kondensatorwärme wird direkt auf eine Fussbodenheizung (Vorlauf 30–40°C), die Erwärmung der Zuluft der Lüftung (20–30°C) oder die Beckenwassererwärmung (26–30°C) geführt. Vorteile: gut abgestimmte Temperaturniveaus, maximale Rückgewinnung ohne zusätzliche Ausrüstung. Nachteile: Es müssen entsprechende Niedertemperatur-Verbraucher am Objekt vorhanden sein.
Die Wahl des Schemas hängt von der Verfügbarkeit von Verbrauchern, deren Temperaturniveau und dem Jahresbetriebsprofil ab.
Verbraucher unterscheiden sich in ihrer Kompatibilität mit Entfeuchtern:
- Fussbodenheizung (30–40°C) – gute Kompatibilität, direkte Anbindung möglich
- Warmwasserbereitung (55–60°C) – eingeschränkte Kompatibilität, Kaskade oder Nachheizung erforderlich
- Heizkörper (50–70°C) – eingeschränkte Kompatibilität, nur in Kaskade mit Wärmepumpe sinnvoll
- Schwimmbad (26–30°C) – ausgezeichnete Kompatibilität, idealer Ganzjahresverbraucher

Berechnung der zurückgewonnenen Wärme: ein detailliertes Beispiel
Betrachten wir ein konkretes Beispiel eines Schwimmbads mit folgenden Eingangsdaten:
- Entfeuchtungsleistung (G) = 20 kg/h (gemäss Berechnung der Feuchteabgabe des Beckens)
- Raumlufttemperatur = 28°C
- Relative Raumluftfeuchte = 60%
- Elektrische Leistungsaufnahme des Entfeuchters (N) = 6 kW (gemäss technischen Daten)
Schritt 1: Berechnung der latenten Kondensationswärme
Verdampfungswärme bei 28°C (r) ≈ 2435 kJ/kg (aus Wasserdampftabellen)
Latente Wärme (Q(latent)) = G × r = 20 kg/h × 2435 kJ/kg = 48700 kJ/h = 13,5 kW
Schritt 2: Wärmebilanz des Kondensators
Wärme am Kondensator (Q(Kondensator)) = Q(latent) + N(Kompressor) = 13,5 kW + 6 kW = 19,5 kW
Dies ist die gesamte am Kondensator freigesetzte Wärmestromleistung.
Schritt 3: Nutzbare Leistung über den Wasser-Wärmetauscher
Annahme: Wirkungsgrad des Wärmetauschers 80% (realistischer Wert für einen Plattenwärmetauscher bei korrekter Auslegung)
Nutzbare Wärme (Q(nutzbar)) = Q(Kondensator) × 0,80 = 19,5 kW × 0,80 = 15,6 kW
Schritt 4: Erwärmung des Beckenwassers
Massenstrom Wasser durch den Wärmetauscher (m) = 0,5 kg/s (ausgelegt nach Temperaturdifferenz und Hydraulik des Kreises)
Spezifische Wärmekapazität von Wasser (c) = 4,19 kJ/(kg·K)
Temperaturerhöhung (ΔT) = Q(nutzbar) / (c × m) = 15,6 kW / (4,19 kJ/(kg·K) × 0,5 kg/s) = 7,4 K
Liegt die Eintrittstemperatur des Wassers bei 26°C, beträgt die Austrittstemperatur 33,4°C – geeignet zur Beheizung des Beckens.
Schritt 5: Einfluss auf das Beheizungssystem des Beckens
Ohne Rückgewinnung erfolgt die gesamte Beckenbeheizung über den Gasboiler oder einen elektrischen Heizer.
Mit 15,6 kW zurückgewonnener «kostenloser» Wärme sinkt die Last des Hauptwärmeerzeugers.
Die jährliche Einsparung hängt von den Betriebsstunden des Entfeuchters pro Jahr, den Gas- bzw. Stromtarifen und dem Vorhandensein alternativer Wärmequellen ab.
Saisonale Nutzung: Winter, Übergangszeit, Sommer
Im Jahresverlauf kann die Wärmerückgewinnung des Entfeuchters in drei verschiedenen Betriebsarten arbeiten:
Winterbetrieb: Die Kondensatorwärme wird zur Heizung oder Beckenbeheizung genutzt; der Entfeuchter arbeitet feuchtegeführt, die Wärme wird vollständig genutzt, ohne in den Raum abzugeben. Ist der Verbraucher eine Niedertemperaturheizung (Fussbodenheizung), kann das System eigenständig ohne zusätzliche Quelle arbeiten. Sind höhere Temperaturen erforderlich (Warmwasser, 60°C), liefert der Entfeuchter die Grundlast bis 45–50°C, die Nachheizung übernimmt Kessel oder Wärmepumpe.
Übergangszeit (Frühling/Herbst): Ein Teil der Wärme wird genutzt, solange Heizbedarf besteht; ein Teil kann überschüssig sein, wenn die Heizung bereits aus ist, die Entfeuchtung aber noch läuft. Erforderlich ist eine Umschaltlogik – ein automatisches 3-Wege-Ventil, das die Wärme entweder in die Heizung, auf die Abgabe (wenn keine Heizung nötig ist, der Entfeuchter jedoch arbeitet) oder in einen Pufferspeicher leitet.
Sommerbetrieb: Gibt es einen dauerhaften Verbraucher (Schwimmbad, Prozesswärme), wird die Wärme das ganze Jahr dorthin geführt. Gibt es keinen Verbraucher, ist ein System zur Wärmeabfuhr nötig – Dry Cooler (Trockenkühler), Kühlturm oder einfach die Abschaltung des Wasserkreises (dann gibt der Entfeuchter die Wärme in den Raum ab, was die Last der Klimaanlage erhöht).
Ein konkretes Steuerungsschema kann ein 3-Wege-Ventil und einen Dry Cooler mit folgender Logik umfassen: WENN die Aussenlufttemperatur mehr als 20°C ODER die Raumtemperatur mehr als 26°C beträgt ODER kein Heizanforderungssignal vom Thermostat vorliegt, DANN wird die Wärme zum Dry Cooler oder in den Raum geleitet, ANDERNFALLS in den Heizkreis.
Die Automatisierung umfasst Temperaturfühler in Vor- und Rücklauf jedes Kreises sowie die Ventilansteuerung nach Algorithmus via programmierbaren Regler oder DDC-System.

Auswirkung der Integration auf die Entfeuchtungsleistung: Kondensationstemperatur und Performance
Bei der Integration eines Entfeuchters in ein Heizungssystem ist es wichtig zu verstehen, wie sich dies auf seine Hauptfunktion – die Entfeuchtung – auswirkt. Die Physik des Prozesses folgt einer klaren Kausalkette:
- Erhöhung der Kühlwassertemperatur am Kondensator
- führt zu einer höheren Kondensationstemperatur des Kältemittels
- führt zu höherem Kondensationsdruck
- führt zu geringerer Massenströmung des Kältemittels durch den Kompressor
- führt zu geringerer Kälteleistung des Verdampfers
- führt zu geringerer Entfeuchtungsleistung
Die quantitative Bewertung des Rückgangs hängt von Kompressortyp, Kältemittel und Ausgangsbedingungen ab. Bei typischen Scroll-Kompressoren mit R410A kann eine Erhöhung der Kondensationstemperatur um 10 K zu einer Reduktion der Massenförderung des Kompressors führen, deren Höhe vom Kompressordesign abhängt (konkrete Werte den Herstellerdiagrammen entnehmen) – entsprechend sinkt die Entfeuchtungsleistung.
Ein Kompromiss ist die Begrenzung der maximalen Wärmeträgertemperatur am Austritt. Benötigt man z. B. 55°C für die Warmwasserbereitung, der Entfeuchter arbeitet jedoch nur effizient bis zu einer Wärmeträgertemperatur von 45°C, ist eine Kaskade sinnvoll: Der Entfeuchter erwärmt von 20°C auf 45°C, die Wärmepumpe hebt von 45°C auf 60°C an.
Entfeuchter mit Inverter-geregeltem Kompressor können den Leistungsabfall teilweise durch höhere Drehzahl kompensieren, allerdings steigt dadurch die Leistungsaufnahme. Es gilt, einen optimalen Kompromiss zwischen Entfeuchtungsleistung und Energieverbrauch zu finden.
Wann Integration technisch Sinn ergibt: Anwendungskriterien
Die Integration eines Entfeuchters in das Heizungssystem ist sinnvoll, wenn ALLE folgenden Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Stabile Feuchteabgaben: Der Entfeuchter arbeitet nicht nur sporadisch, sondern mindestens 10–15 Stunden pro Tag über 6 oder mehr Monate im Jahr. Typische Objekte: Schwimmbäder, Wäschereien, Trockenzonen, Gemüselager, pharmazeutische Produktion.
- Dauerhafter Niedertemperatur-Wärmeverbraucher: bis 50°C (Fussbodenheizung, Beckenbeheizung, Zuluftvorwärmung, Niedertemperatur-Radiatoren, Prozesswärme).
- Lösung für die Sommerperiode: Ganzjahresverbraucher (Schwimmbad) oder System zur Wärmeabfuhr (Dry Cooler, Kühlturm) oder abgestimmter Betriebsmodus (Entfeuchter läuft nachts, wenn die Wärme die Tagesklimatisierung nicht stört).
- Angemessenes Leistungsverhältnis: Die Wärmeleistung des Entfeuchters beträgt mindestens 20–30% der Grundlast des Objekts; andernfalls rechnet sich die Integrationskomplexität nicht über die Investitionskosten.
Eine Integration ist NICHT sinnvoll, wenn:
- der Entfeuchter nur sporadisch arbeitet (1–2 Stunden pro Tag, nur im Sommer)
- keine Niedertemperatur-Verbraucher vorhanden sind (nur Hochtemperaturheizung >70°C oder Warmwasser ohne Kaskadenmöglichkeit)
- Wirtschaftlichkeit: Die Integrationskosten (Wärmetauscher, Rohrleitungen, Automatik, Montage) übersteigen die Einsparung an Energieträgern über 8–10 Jahre zu aktuellen Tarifen
Grenzfälle, in denen die genannten Ansätze nicht funktionieren oder angepasst werden müssen:
- Raumtemperatur unter 15°C: Die Entfeuchtungseffizienz sinkt stark, Kondensation am Verdampfer ist aufgrund der tiefen Verdampfungstemperatur erschwert
- Kondensationstemperatur über 60°C: Die meisten Wohn- und Gewerbekompressoren sind für solch hohen Druck nicht ausgelegt (Sicherheitsabschaltung oder Ausfall)
- Regionen mit sehr kurzer Heizperiode (unter 3 Monate): Die Amortisation der Integration verschlechtert sich aufgrund geringer Nutzungsstunden der zurückgewonnenen Wärme
Typische Planungsfehler bei der Integration von Entfeuchtern
Bei der Planung von Systemen zur Wärmerückgewinnung aus Entfeuchtern treten häufig folgende Fehler auf:
- Ignorieren der Wärmeabgabe des Entfeuchters bei der Auslegung der Kühllast. Folge: Im Sommer schafft die Klimaanlage die Last nicht, die Raumtemperatur überschreitet die Grenzwerte und verursacht Unbehagen. Beispiel: In einem Schwimmbad mit einem Entfeuchter mit 25 kW Wärmeleistung wurden bei der Kühlplanung nur die Feuchteabgaben der Personen und die solare Einstrahlung berücksichtigt, nicht aber die Wärmeabgabe des Entfeuchters – dies führt zu Kälteleistungsdefizit und Überhitzung des Raums.
- Fehlende Möglichkeit zur Wärmeabfuhr im Sommer. Folge: Der Entfeuchter kann entweder nicht arbeiten (Sicherheitsabschaltung wegen hohem Kondensationsdruck) oder überheizt den Raum und erhöht die Klimakaltlast. Lösung: Bereits in der Planung einen Dry Cooler oder Sommerverbraucher (Schwimmbad, Prozesswärme) vorsehen.
- Falsche Wahl der Wärmeträgertemperatur ohne Analyse der Auswirkungen auf die Entfeuchtung. Fehlerbeispiel: Der Auftraggeber verlangt 60°C für Warmwasser, der Planer bindet den Entfeuchter direkt ohne Kaskade ein. Ergebnis: Die Kondensationstemperatur steigt kritisch (55–60°C), die Entfeuchtungsleistung sinkt, die Raumfeuchte wird nicht auf dem Sollwert gehalten. Lösung: Kaskadenschema (Entfeuchter bis 45°C, Kessel oder Wärmepumpe auf 60°C) oder Begrenzung der maximalen Wärmeträgertemperatur.
- Kein Pufferspeicher in Systemen mit variablem Wärmebedarf. Folge: Der Entfeuchter wird feuchtegeführt (Ein/Aus über Hygrostat), der Wärmeverbraucher temperaturgeführt (Thermostat) – Betriebszustände greifen nicht ineinander. Der Entfeuchter läuft, aber Wärme wird nicht benötigt, oder umgekehrt. Häufige Starts/Stopp des Kompressors führen zu Verschleiss. Lösung: Pufferspeicher 300–500 Liter zur Glättung kurzzeitiger Abweichungen.
- Grosse Distanzen zwischen Entfeuchter und Verbraucher ohne Wärmeverlustberechnung. Beispiel: Entfeuchter im Keller, Verbraucher auf dem Dach, 50 m Leitungsweg, Rohrleitungen mit dünner Dämmung (20 mm statt 50 mm). Ergebnis: Wärmeverluste in den Leitungen beanspruchen einen erheblichen Teil der Nutzleistung. Lösung: Entfeuchter näher am Verbraucher platzieren oder hochwertige Rohrdämmung mit 50–100 mm Dicke.
- Überhöhte Erwartungen: Entfeuchter als vollwertiger Ersatz für Wärmepumpe oder Kessel. Realität: Ein Entfeuchter liefert so viel Wärme, wie er Feuchte entzieht. Sind die Feuchteabgaben gering oder saisonal, steht entsprechend wenig Wärme zur Verfügung. Im Winter, bei trockener Innenluft, arbeitet der Entfeuchter kaum; folglich fehlt Wärme gerade dann, wenn sie am meisten benötigt wird. Lösung: Realistische Abschätzung des Wärmepotenzials unter Berücksichtigung des jährlichen Feuchteprofils.
- Vernachlässigung der Wasserqualität und Wartung des Wasserkreises. Ist das Wasser hart und es fehlt eine Aufbereitung, führt Kesselstein nach 1–2 Jahren zu sinkender Wärmeübertragung am Wärmetauscher. Lösung: Wasseraufbereitung (Enthärtung oder Entsalzung) oder periodische chemische Reinigung des Wärmetauschers (alle 1–2 Jahre).

Häufige Fragen (FAQ)
Welche Temperaturgrenzen gelten für den Wärmeträger bei der Wärmerückgewinnung aus dem Kondensator eines Entfeuchters?
Die Mindesttemperatur wird durch die erforderliche Temperaturdifferenz für den Wärmeaustausch begrenzt (typisch 5–7 K), d. h. nicht unter 15–20°C – was in der Praxis für Heizungssysteme kein Limit darstellt, da der Heizungsrücklauf meist höher liegt. Die Maximaltemperatur hängt vom zulässigen Kondensationsdruck des Kompressors ab: Bei den meisten Entfeuchtern mit R410A sollte die Austrittstemperatur des Wärmeträgers 50–55°C nicht überschreiten. Industrielle Modelle mit Hochdruckkompressoren können bis 60–65°C bereitstellen. Eine Überschreitung führt zu Hochdruckabschaltung oder Kompressorausfall.
Kann ein Entfeuchter ein Heizungssystem vollständig ersetzen?
Bei Objekten mit stabilen Feuchteabgaben (Schwimmbäder, Wäschereien, Trockenzonen, Gemüselager) und Niedertemperatur-Verbrauchern (Fussbodenheizung 30–40°C, Beckenheizung 28°C) kann der Entfeuchter in der Übergangszeit (Frühling/Herbst) und teilweise im Winter als Hauptwärmequelle dienen, vorausgesetzt es gibt eine Reservequelle (Elektro- oder Gaskessel) für Spitzenfrost. Für normale Wohn-, Büro- oder Verkaufsräume ohne signifikante, dauerhafte Feuchteabgaben gilt: nein, denn die verfügbare Wärme ist durch die Entfeuchtungsleistung begrenzt. Verfügbare Wärme ist eine Funktion der Feuchteabgabe, nicht der Gebäude-Wärmeverluste. Sind die Feuchteabgaben gering und die Innenluft im Winter trocken, arbeitet der Entfeuchter kaum – folglich fehlt die Wärme, wenn sie am meisten gebraucht wird.
Was tun mit der Wärme im Sommer, wenn keine Heizung benötigt wird?
Es gibt drei Optionen:
- Ganzjahres-Wärmeverbraucher: Schwimmbad (braucht auch im Sommer Beheizung) oder Prozesswärme (falls Produktion vorhanden) – Wärme wird kontinuierlich ohne Saisonalität genutzt.
- Dry Cooler (Trockenkühler) oder Kühlturm zur Abgabe der Wärme an die Atmosphäre – zusätzliche Investitionskosten für die Ausrüstung plus Betriebskosten (Stromverbrauch des Ventilators des Dry Coolers). Sinnvoll, wenn kein Ganzjahresverbraucher vorhanden ist.
- Abschalten des Wasserkreises im Sommer – die Wärme wird wie im Standardbetrieb des Entfeuchters an den Raum abgegeben. Erfordert eine grössere Leistung der Klimaanlage (bei der Kühlplanung zu berücksichtigen). Die einfachste Lösung ohne Zusatzinvestitionen.
Wie lässt sich der wirtschaftliche Effekt der Integration beurteilen?
Die Berechnung besteht aus mehreren Schritten:
- Die zurückgewonnene Wärme für die Heizperiode bestimmen: mittlere Entfeuchtungsleistung (kg/h) × Betriebsstunden pro Saison × spezifische Kondensationswärme × Nutzungsgrad über den Wärmetauscher = kWh pro Saison.
- Die ersetzte Energie bestimmen: Wie viel Energie des Hauptwärmeerzeugers (Gas-, Elektrokessel, Wärmepumpe) durch die Entfeuchterwärme substituiert wird.
- Die jährliche Einsparung berechnen: ersetzte Energie (kWh) × Differenz der spezifischen Energiekosten (CHF/kWh) zwischen Hauptquelle (Gas, Strom) und zusätzlichem Stromverbrauch des Entfeuchters (wenn der Entfeuchter ohnehin lief, entsteht kein Zusatzverbrauch).
- Die Amortisationszeit bestimmen: Investitionskosten für die Integrationslösung (Wärmetauscher, Rohrleitungen, Umwälzpumpe, Ausdehnungsgefäss, Automatik, Montage) ÷ jährliche Einsparung = Amortisationsdauer (Jahre).
Fazit
Die Integration eines Entfeuchters in ein Heizungssystem oder in eine Wärmepumpe durch Rückgewinnung der Kondensatorwärme ist eine effiziente ingenieurtechnische Lösung für Objekte mit stabilen Feuchteabgaben und Niedertemperatur-Verbrauchern. Es ist keine Universallösung, sondern ein Werkzeug für spezifische Bedingungen.
Schlüsselbedingungen für den Erfolg:
- Saubere Wärmebilanz und klarer energetischer Kondensatorhaushalt
- Abstimmung der Temperaturniveaus (maximale Wärmeträgertemperatur mit den Möglichkeiten des Kompressors abgestimmt)
- Lösung für den Sommerbetrieb (Dry Cooler, Ganzjahresverbraucher oder abgestimmter Betriebsmodus)
- Realistische Erwartungen (Verständnis, dass die Wärmemenge durch die Feuchteabgabe begrenzt ist, nicht durch die Gebäudewärmeverluste)
Empfehlungen für Planungsingenieure:
- Die Möglichkeit der Wärmerückgewinnung stets bereits in der Planungsphase prüfen, auch wenn die Umsetzung erst später erfolgt
- Einbaureserven und Platz für Geräte vorsehen
- Detaillierte Berechnungen mit konkreten Eingangsdaten statt grober Daumenwerte durchführen
- Optionen für eine spätere Nachrüstung vorsehen (Leerrohre, Platz für Wärmetauscher, Stromversorgung für Pumpen)
Kriterien für die Zweckmässigkeit der Integration: stabile Feuchteabgaben über 6 oder mehr Monate + Niedertemperatur-Verbraucher bis 50°C + Sommerlösung. Ist mindestens eine Bedingung nicht erfüllt, ist eine zusätzliche techno-ökonomische Begründung erforderlich.
Die Wärmerückgewinnung aus einem Entfeuchter ist keine Universallösung, sondern ein ingenieurtechnisches Werkzeug für spezifische Rahmenbedingungen. Der Erfolg hängt von der Planungsqualität, einer detaillierten Wärmebilanz und einer realistischen Wirtschaftlichkeitsberechnung für das konkrete Objekt mit konkreten Eingangsdaten ab.