Wie die Temperatur die Effizienz der Entfeuchtung beeinflusst

Autor: Technische Abteilung Mycond

Der ingenieurtechnische Anlass für diesen Artikel ist ein systematischer Fehler von Planern, die den Typ des Entfeuchtungssystems ausschliesslich anhand der Feuchteparameter wählen und die Temperaturgrenzen ignorieren. Das führt im Winter zum Ausfall von Kältesystemen, zu Mehrenergieverbrauch durch nicht optimale Regenerationstemperaturen und zur Nichtberücksichtigung der Temperaturerhöhung der Luft nach der Adsorption.

Bei der Auslegung von Luftentfeuchtungssystemen konzentrieren sich Ingenieure oft nur auf die Feuchteparameter und vergessen den kritischen Einfluss der Temperatur auf die Effizienz der Anlagen. Die Temperatur ist einer der wichtigsten Parameter; sie bestimmt nicht nur die Leistung des Systems, sondern auch den Energieverbrauch, die Investitionskosten und die Dauer des störungsfreien Betriebs.

Historisch hat sich das Verständnis der Temperaturabhängigkeiten von Entfeuchtungssystemen von vereinfachten Modellen zu ganzheitlichen Ansätzen entwickelt, welche die Wechselwirkung der Temperatur mit anderen Parametern berücksichtigen. Heute gilt die Temperatur als Schlüsselfaktor, der theoretische Berechnungen mit der praktischen Ingenieurarbeit verbindet, und eine falsche Berücksichtigung der Temperaturfaktoren kann zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen.

Adsorptionstrockner mit niedrigem Taupunkt Mycond DESS-80

Fundamentale Grundlagen des Temperatureinflusses auf die Entfeuchtung

Um den Einfluss der Temperatur auf die Effizienz der Entfeuchtung zu verstehen, muss man sich der Thermodynamik feuchter Luft zuwenden. Grundlage ist der Zusammenhang zwischen Temperatur, Wasserdampfdruck und der Fähigkeit der Luft, Feuchtigkeit zu halten.

Die Clausius-Clapeyron-Gleichung beschreibt die Abhängigkeit des Sättigungsdampfdrucks von der Temperatur. Sie zeigt, dass der Sättigungsdampfdruck mit steigender Temperatur exponentiell zunimmt, was direkt die Menge an Feuchtigkeit beeinflusst, die die Luft enthalten kann. Diese grundlegende Abhängigkeit erklärt, warum kalte Luft eine geringere absolute Feuchtekapazität hat als warme.

Im psychrometrischen Diagramm in den Koordinaten "Enthalpie-Feuchtegehalt" erlauben Linien konstanter Temperatur, die Zustandsänderungen der Luft während des Entfeuchtungsprozesses nachzuvollziehen. Wichtig ist zu verstehen, dass der kondensative Entfeuchtungsprozess entlang einer Linie konstanter Enthalpie mit anschliessender Erwärmung verläuft, während die Adsorptionsentfeuchtung aufgrund der freiwerdenden Adsorptionswärme mit einer Temperaturerhöhung einhergeht.

Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass der Gesamtluftruck die temperaturabhängigen Prozesse der Entfeuchtung beeinflusst. Das ist insbesondere in Hochlagen relevant, wo sich der Partialdruck des Wasserdampfes ändert und damit die Effizienz der Entfeuchtungssysteme bei unterschiedlichen Temperaturen beeinflusst.

Temperatur und Kondensationsentfeuchter

Kondensationsentfeuchter arbeiten nach dem Prinzip, die Luft unter den Taupunkt zu kühlen, wodurch Wasserdampf kondensiert. Die Verdampfertemperatur ist der Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit eines solchen Systems. Es gibt eine kritische untere Einsatzgrenze — etwa +5°C Verdampfertemperatur — unterhalb derer Vereisungsgefahr an den Wärmetauschern besteht.

Bei niedrigen Temperaturen der Prozessluft sinkt die Effizienz von Kondensationsentfeuchtern stark, weil der Verdampfer häufig abgetaut werden muss. Abtauzyklen reduzieren die Gesamtleistung der Anlage deutlich und erhöhen den Energieverbrauch.

Der Leistungskoeffizient (COP) eines Kältesystems wird als Verhältnis der nutzbaren Kälteleistung zum eingesetzten Energieaufwand definiert. Er hängt direkt von der Verdampfertemperatur ab — je höher die Verdampfertemperatur, desto höher der COP. Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt: Eine höhere Verdampfertemperatur verbessert die Energieeffizienz, verringert aber die Entfeuchtungsleistung des Systems.

Saisonale Schwankungen der Umgebungstemperatur verursachen erhebliche Leistungsvariationen von Kondensationsentfeuchtern. Im Sommer bei hohen Temperaturen arbeiten solche Systeme mit maximaler Entfeuchtungseffizienz, im Winter kann die Leistung jedoch stark abfallen oder aufgrund von Vereisung der Wärmetauscher sogar ganz zum Stillstand kommen.

Schwimmbad-Entfeuchter zur Aufrechterhaltung konstanter Feuchtigkeit Mycond MBA-G

Temperatur und Adsorptionsentfeuchter

Im Unterschied zu Kältesystemen zeigen Adsorptionsentfeuchter eine umgekehrte Temperaturabhängigkeit — je niedriger die Temperatur der Prozessluft, desto höher die Feuchteabtrennung. Das erklärt sich durch den geringeren Oberflächendampfdruck des kalten Desikants, der einen grösseren Gradient für den Feuchtetransport aus der Luft erzeugt.

Der Schlüsselvorteil von Adsorptionssystemen zeigt sich gerade bei niedrigen Temperaturen, wenn Kondensationsentfeuchter nicht mehr effizient sind. Desikantentfeuchter behalten eine hohe Leistung selbst bei Minusgraden und sind damit unverzichtbar für Kühlräume, unbeheizte Bereiche und den Winterbetrieb.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Adsorptionsprozess mit Wärmefreisetzung einhergeht, die die Temperatur der Prozessluft anhebt. Die Temperaturerhöhung ist proportional zur Menge der entfernten Feuchte. Dieser Effekt kann ein Vorteil sein (z. B. in kalten Räumen), kann aber auch einen Nachteil darstellen, der zusätzliche Kühlung erfordert.

Die Regenerationstemperatur ist ein kritischer Parameter für Adsorptionsentfeuchter. Für eine effektive Desorption des Wassers von der Desikantoberfläche sind hohe Temperaturen erforderlich, bedingt durch die Thermodynamik des Prozesses. Verschiedene Desikanttypen haben unterschiedliche optimale Temperaturbereiche für die Regeneration:

  • Silikagel: 120-180°C
  • Molekularsiebe: 200-350°C
  • Lithiumchlorid: 80-120°C

Eine Erhöhung der Regenerationstemperatur vertieft die Entfeuchtung, steigert jedoch auch den Energieverbrauch und das Risiko der Materialdegradation des Desikants. Eine Senkung der Regenerationstemperatur spart Energie, reduziert aber die Leistung.

Algorithmus zur Auswahl des Entfeuchtungssystems anhand von Temperaturparametern

Bei der Auslegung eines Entfeuchtungssystems ist der gesamte Arbeits-Temperaturbereich über das Jahr zu berücksichtigen. Wir schlagen folgenden Auswahlalgorithmus auf Basis der Temperaturparameter vor:

  1. Ermitteln Sie die minimale, maximale und mittlere Temperatur der Prozessluft im Jahresverlauf
  2. Liegt die minimale Prozesslufttemperatur unter +5°C, ist ein Kältesystem wegen Vereisungsgefahr ungeeignet; es wird ein Adsorptionssystem benötigt
  3. Liegt die Temperatur im Bereich von +5°C bis +35°C, ist ein Kältesystem für die meisten Anwendungen energetisch optimal
  4. Liegt die Temperatur über +35°C, ziehen Sie Vorkühlung vor der Entfeuchtung oder ein kombiniertes System in Betracht
  5. Bewerten Sie die saisonalen Leistungsschwankungen für den gewählten Systemtyp
  6. Legen Sie für Adsorptionssysteme die optimale Regenerationstemperatur fest, beginnend am unteren Ende des empfohlenen Bereichs für den gewählten Desikanttyp
  7. Ist die Leistung unzureichend, erhöhen Sie die Regenerationstemperatur in Schritten von 10-20°C, jedoch nicht über den maximal zulässigen Wert

Dieser Algorithmus hilft, typische Planungsfehler zu vermeiden und eine effiziente Funktion des Entfeuchtungssystems über den gesamten Temperaturbereich zu gewährleisten.

Adsorptionstrockner für technologische Prozesse Mycond DESS-80

Saisonale Temperaturschwankungen und Systemanpassung

Das jährliche Temperaturprofil hat erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Entfeuchtungssystemen. Sommerspitzen, Winterminimum und Übergangsjahreszeiten erfordern unterschiedliche Ansätze in Auslegung und Betrieb.

Für Kältesysteme ist der Winterbetrieb oft problematisch wegen der niedrigen Temperaturen, die Vereisungsgefahr an den Wärmetauschern verursachen. Erforderlich sind Taktbetrieb oder Leistungsmodulation sowie Frostschutzmassnahmen.

Adsorptionssysteme benötigen eine Anpassung der Leistung der Regenerationsheizer für Winterbedingungen, wenn die Eintrittsluft kälter ist. Kalte Winterluft kann für den Prozess vorteilhaft sein, weil sie die Adsorptionseffizienz steigert, erschwert jedoch die Regeneration, da höhere Heizleistung erforderlich ist.

Die wirtschaftliche Optimierung von Entfeuchtungssystemen über die Jahreszeiten erfordert einen Ausgleich zwischen Leistung und Energieverbrauch, den Einsatz automatischer Regelung sowie die Anpassung der Systemparameter an veränderliche Bedingungen.

Temperaturstrategien für verschiedene Anwendungen

Für Schwimmbäder sind Wassertemperaturen von 28-30°C und Lufttemperaturen von 30-32°C bei einer relativen Feuchte von 50-60% optimal. Das reduziert die Verdunstung an der Wasseroberfläche und verhindert Kondensation. Kondensationsentfeuchter sind zur Aufrechterhaltung dieser Bedingungen effizient, im Winter ist jedoch die Vereisungsgefahr zu berücksichtigen.

In Lagern und Logistikzentren kann der Temperaturbereich sehr breit sein – von -20°C bis +35°C. Bei niedrigen Temperaturen (unter +5°C) sind Adsorptionsentfeuchter sinnvoll, bei höheren Temperaturen Kältesysteme. Kritisch ist die Berechnung der Taupunkttemperatur, um Kondensation an Waren und Baukonstruktionen zu verhindern.

In der pharmazeutischen Produktion gelten strenge Temperaturtoleranzen (±1°C) und Feuchteanforderungen. In der Regel werden präzise geregelte Systeme benötigt, häufig in Kombination, die stabile Parameter unabhängig von den Aussenbedingungen sicherstellen.

In der Lebensmittelindustrie erfordern verschiedene Prozessschritte unterschiedliche Temperaturzonen. Besonders wichtig ist die Wechselwirkung zwischen Temperatur und Produktqualität bei Niedertemperaturtrocknung, wo Adsorptionssysteme mit präziser Parameterregelung bevorzugt werden.

Kanalentfeuchter für Schwimmbäder, Schutz vor Kondensat Mycond MSHAC

Typische Planungsfehler

Die häufigsten Fehler bei der Auslegung von Entfeuchtungssystemen im Hinblick auf Temperaturparameter sind:

  1. Unterschätzung saisonaler Temperaturschwankungen. Die Auslegung nur für sommerliche Spitzenlasten führt im Winter zu unzureichender Leistung. Es wird empfohlen, das System für den gesamten erwarteten Temperaturbereich auszulegen.
  2. Falsche Wahl der Regenerationstemperatur. Zu niedrige Temperaturen verringern die Effizienz, zu hohe führen zu Mehrenergieverbrauch und zur Degradation des Desikants. Der Desikanttyp und sein optimaler Temperaturbereich sind zu berücksichtigen.
  3. Ignorieren der Taupunkttemperatur. Das führt zu Kondensation, Korrosion der Anlagen und mikrobiologischen Problemen. Die Taupunkttemperatur ist stets für die Auslegungsbedingungen zu berechnen.
  4. Fehlende Temperaturüberwachung. Das Fehlen von Sensoren und Regelung führt zu Vereisung und geringer Effizienz. Erforderlich ist eine umfassende Automatisierung mit Temperaturkompensation.
  5. Nichtberücksichtigung der Temperaturerhöhung nach der Adsorption. Das kann zu Überhitzung und zu Unvereinbarkeit mit Prozessanforderungen führen. Es ist ein Nachkühler vorzusehen, wenn die Temperaturerhöhung für den Prozess kritisch ist.

Ebenso wichtig ist zu wissen, wann Standardansätze nicht funktionieren oder angepasst werden müssen:

  • Unter extremen Temperaturen (unter -30°C oder über +50°C) benötigen Standardberechnungen spezielle Korrekturen
  • Bei schnellen Temperaturschwankungen wird die Trägheit der Systeme zum kritischen Faktor
  • Für sehr kleine oder sehr grosse Anlagen sind spezifische Ansätze erforderlich
  • In Regionen mit extremem Klima, in denen der jährliche Temperaturbereich 50°C übersteigt
  • Wenn branchenspezifische Normen strengere Temperaturanforderungen festlegen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Kondensationsentfeuchter immer energieeffizienter als Adsorptionsentfeuchter?

Nicht immer. Kondensationsentfeuchter haben üblicherweise einen höheren COP bei Temperaturen von +15°C bis +35°C, bei niedrigen Temperaturen (unter +5°C) sinkt ihre Effizienz jedoch stark aufgrund von Vereisung der Wärmetauscher und häufigen Abtauzyklen. Adsorptionsentfeuchter hingegen behalten bei niedrigen Temperaturen eine hohe Effizienz. Wenn zur Regeneration eines Adsorptionsentfeuchters Abwärme oder erneuerbare Energiequellen genutzt werden, kann seine Gesamteffizienz sogar im mittleren Temperaturbereich höher sein.

Ist eine Vorkühlung vor einem Adsorptionsentfeuchter sinnvoll?

Das hängt von den Eintrittsparametern der Luft ab. Bei hohen Temperaturen (über +35°C) kann Vorkühlung die Adsorptionseffizienz erhöhen, weil ein kalter Desikant Feuchtigkeit besser aufnimmt. Das erfordert jedoch zusätzliche Investitions- und Betriebskosten. Die Entscheidung erfolgt auf Basis einer techno-ökonomischen Analyse für das konkrete Projekt. In der Regel ist Vorkühlung für industrielle Anwendungen mit hohen Prozesslufttemperaturen und hohen Anforderungen an die Entfeuchtungstiefe sinnvoll.

Wie bestimmt man die optimale Regenerationstemperatur für einen Adsorptionsentfeuchter?

Die optimale Regenerationstemperatur ergibt sich aus dem Gleichgewicht zwischen Systemleistung und Energieverbrauch. Ausgangspunkt sollte das untere Ende des empfohlenen Bereichs für den jeweiligen Desikanttyp sein (z. B. 120°C für Silikagel). Ist die Leistung unzureichend, wird die Temperatur in Schritten von 10-20°C erhöht, jedoch nicht über den maximal zulässigen Wert. Wichtig ist zudem die Verfügbarkeit von Wärmequellen – steht günstige Abwärme zur Verfügung, kann der Einsatz höherer Regenerationstemperaturen wirtschaftlich sinnvoll sein, um die Leistung zu steigern.

Wie wirkt sich die Temperaturerhöhung nach der Adsorption auf das gesamte Klimasystem aus?

Die Temperaturerhöhung nach dem Adsorptionsentfeuchter (in der Regel um 5-15°C, abhängig von der entfernten Feuchtemenge) erzeugt eine zusätzliche Last für das Kühlsystem. Das ist bei der Auslegung der Kälteleistung der Klimaanlage zu berücksichtigen. In manchen Fällen ist ein Nachkühler direkt nach dem Entfeuchter sinnvoll. In anderen Situationen, etwa bei der Entfeuchtung kalter Räume, kann diese Temperaturerhöhung nützlich sein und den Bedarf an zusätzlicher Beheizung verringern.

Kann Niedertemperaturwärme (40-60°C) zur Regeneration von Adsorptionsentfeuchtern genutzt werden?

Standard-Adsorptionsentfeuchter benötigen in der Regel Regenerationstemperaturen von 120-180°C, was den Einsatz von Niedertemperaturwärme einschränkt. Es gibt jedoch spezielle Systeme mit mehrstufiger Regeneration, die Niedertemperaturwärme (40-60°C) in den Anfangsphasen des Prozesses effizient nutzen können. Zudem werden neue Desikanttypen entwickelt, die bei tieferen Temperaturen regenerierbar sind. Der Einsatz von Niedertemperaturwärme kann die Betriebskosten deutlich senken, erfordert jedoch meist höhere Investitionen in spezialisiertes Equipment.

Fazit

Die Temperatur ist ein kritischer Faktor, der die Effizienz von Luftentfeuchtungssystemen bestimmt. Bei der Auslegung sind der gesamte Arbeits-Temperaturbereich und dessen Einfluss auf Leistung, Energieeffizienz und Betriebskosten zu berücksichtigen.

Die Wahl zwischen Kondensations- und Adsorptionsentfeuchtern sollte auf den Temperaturparametern der Prozessluft basieren. Kältesysteme sind bei Temperaturen von +5°C bis +35°C optimal, während Adsorptionssysteme auch bei Minusgraden hohe Effizienz bewahren.

Zur Maximierung der Effizienz wird empfohlen:

  • Das System stets für den gesamten erwarteten Temperaturbereich zu dimensionieren
  • Temperaturkompensation in den Regelsystemen zu verwenden
  • Die Taupunkttemperatur zu berücksichtigen, um Kondensation zu vermeiden
  • Die Regenerationstemperatur in Adsorptionssystemen zu optimieren
  • Möglichkeiten der thermischen Integration und die Nutzung von Abwärme zu prüfen

Die Entwicklung der Entfeuchtungstechnologien geht in Richtung höherer Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie intelligenter Regelungssysteme mit Prognose und Optimierung der Parameter auf Basis von Datenanalyse.