Autor: Technische Abteilung Mycond
Einer der kritischsten ingenieurtechnischen Aspekte beim Betrieb von Eishallen ist die wirksame Kontrolle der Luftfeuchte. Wenn die kalte Eisoberfläche mit Temperaturen von -3°C bis -7°C auf wärmere Hallenluft (+10...+15°C) trifft, kommt es zu intensiver Kondensation. Dies führt zu Nebel über der Eisfläche, schlechterer Sicht, beschleunigter Korrosion metallischer Konstruktionen, höherer Belastung der Kälteanlage und zu einer Verschlechterung der Eisqualität.
Bei der Auslegung der Klimasysteme von Eishallen besteht der häufigste Fehler darin, die Lüftung ohne Berücksichtigung der warmen und feuchten Jahreszeiten zu dimensionieren – ein höherer Aussenluftvolumenstrom kann die Situation dann sogar verschlimmern. Ein korrekter ingenieurtechnischer Ansatz erfordert eine detaillierte Feuchtebilanz und den Einsatz spezialisierter Entfeuchtungssysteme.
Physik der Kondensation in Eishallen: psychrometrische Bedingungen
Der Feuchtetransport zur kalten Eisoberfläche erfolgt über Diffusion und Konvektion. Wasserdampf aus der wärmeren Hallenluft bewegt sich zur kälteren Eisoberfläche, wo sein Partialdruck niedriger ist, und kondensiert, sobald die Oberflächentemperatur unter dem Taupunkt liegt.
Für eine psychrometrische Analyse betrachten wir eine typische Situation: Hallenlufttemperatur +12°C und 60% relative Feuchte. Unter diesen Bedingungen liegt die Taupunkttemperatur bei etwa +4°C und damit deutlich über der Eisoberflächentemperatur (-5°C). Der Unterschied von 9°C führt zwangsläufig zu intensiver Kondensation.
Der energetische Verlustmechanismus bei Kondensation umfasst zwei Stufen: Zunächst kondensiert der Wasserdampf auf dem Eis und gibt Kondensationswärme ab (rund 2500 kJ/kg), anschliessend friert das Kondensat und gibt Erstarrungswärme ab (rund 335 kJ/kg). Die Summe (ca. 2835 kJ/kg Feuchte) belastet die Kälteanlage zusätzlich.
Ein sichtbares Resultat dieses Prozesses ist Nebelbildung über dem Eis. Dies geschieht, wenn die Luft direkt über der Oberfläche unter den Taupunkt abkühlt und Feuchte als feine Tröpfchen auskondensiert, die in der Schwebe bleiben. Je höher die relative Feuchte in der Halle, desto intensiver der Nebel.

Feuchtequellen in der Eishalle: quantitativer Überblick
Für eine genaue Auslegung der erforderlichen Entfeuchtungsleistung müssen alle Feuchtequellen erfasst werden. Die wichtigsten mit grober Quantifizierung:
Feuchteabgabe durch Zuschauer
Ein erwachsener Zuschauer in Ruhe gibt etwa 50 g/h Feuchte über Atmung und Haut ab. Bei 1000 Zuschauern entstehen so rund 50 kg/h. Bei Veranstaltungsdauern von 2–3 Stunden summiert sich dies auf 100–150 kg. Die Werte sind Richtgrössen für ingenieurtechnische Berechnungen.
Einfluss der Eisaufbereitungsmaschine
Resurfacer verwenden heisses Wasser (ca. +60°C) zum Fluten und Glätten. Ein Teil verdunstet auf der kalten Oberfläche intensiv. Schätzungen zufolge verdunsten bei 300 Litern Flutwasser 5–10% des Volumens, also 15–30 kg pro Einsatz. Bei 2–3 Einsätzen pro Tag ergeben sich 30–90 kg Feuchte pro Tag. Alle Angaben sind Richtwerte.
Infiltration von Aussenluft
Tore für Resurfacer und Sportlerzugang werden periodisch geöffnet. Im Winter (Aussenluft -5°C, 80% r. F., absoluter Feuchtegehalt ca. 2 g/kg) strömt kalte Luft mit geringem absolutem Feuchtegehalt ein.
Im Sommer ändert sich die Lage grundlegend: Aussenluft (+25°C, 70% r. F., Feuchtegehalt ca. 14 g/kg) hat einen deutlich höheren Feuchtegehalt. Jedes Öffnen eines 12 m² grossen Tores für 2–3 Minuten bringt 30–50 m³ feuchte Luft ein, was 0,4–0,7 kg Feuchte pro Öffnung entspricht. Diese Werte hängen von den lokalen Klimabedingungen ab.
Analyse der Feuchteabgaben aus Nebenräumen
Umkleiden mit Duschen sind starke Feuchtequellen. Eine Dusche erzeugt bis zu 200 g/min. Bei unzureichender Lüftung kann diese Feuchte in die Halle gelangen. Nutzen 20 Spieler die Duschen 15 Minuten, können bis zu 60 kg Feuchte anfallen.
Typische Gesamtabgaben für eine 1000-Zuschauer-Halle bei Vollauslastung während eines Hockeyspiels: ca. 50 kg/h durch Zuschauer, 10 kg/h durch die Eisaufbereitung (gemittelt), 5 kg/h durch Infiltration, 15 kg/h aus Duschen (gemittelt). In Summe etwa 80 kg/h – ein Richtwert, der projektspezifisch zu verifizieren ist.

Psychrometrische Bilanz: Festlegung des Ziel-Feuchtegehalts der Luft
Der Ziel-Feuchtegehalt in der Eishalle wird so gewählt, dass die Taupunkttemperatur der Luft mindestens 2–3°C unter der Eisoberflächentemperatur liegt, um Kondensation zuverlässig zu verhindern.
Algorithmus zur Bestimmung des Ziel-Feuchtegehalts:
- Eisoberflächentemperatur bestimmen (typisch -3°C bis -7°C, je nach Sportart: Eishockey ca. -5°C, Eisschnelllauf bis -7°C, Eiskunstlauf ca. -4°C)
- Sicherheitszuschlag festlegen: Taupunkttemperatur 2–3°C unter der Eistemperatur. Bei -5°C Eis liegt der Ziel-Taupunkt bei -7°C bis -8°C
- Im psychrometrischen Diagramm für die Hallenlufttemperatur (z. B. +12°C) und den Taupunkt (-8°C) den Ziel-Feuchtegehalt bestimmen – etwa 3,5 g/kg
- Mit dem aktuellen Feuchtegehalt vergleichen. Liegt dieser bei 6 g/kg, sind 2,5 g Feuchte pro kg Hallenluft zu entfernen
Die Feuchtebilanz setzt sich aus Feuchteeintrag (Gesamt-Feuchteabgaben) und Feuchteabfuhr (Entfeuchterleistung plus Austrag über die Abluft) zusammen. Bedingung: Die Abfuhr muss mindestens so gross sein wie der Eintrag.
Die Rolle der Lüftung bei der Feuchteabfuhr hängt stark von der Jahreszeit ab. Ist der Feuchtegehalt der Aussenluft niedriger als der der Innenluft, hilft die Zuluft bei der Entfeuchtung. Beispiel Winter (Aussenluft -10°C, 80% r. F., Feuchtegehalt ca. 1,5 g/kg; Innenluft +12°C, 6 g/kg): Jeder m³/h Zuluft führt 0,0054 kg/h Feuchte ab.
Im Sommer hingegen (Aussenluft +25°C, 70% r. F., 14 g/kg) ist der Aussenluft-Feuchtegehalt deutlich höher als innen. Mehr Zuluft verschlechtert dann die Situation und bringt zusätzliche Feuchte ein. In diesem Fall ist Umluft über den Entfeuchter erforderlich. Alle Zahlenwerte sind projektspezifisch.
Methodik zur Berechnung der erforderlichen Entfeuchterleistung
Die Bestimmung der erforderlichen Entfeuchterleistung erfolgt in mehreren Schritten:
Bestimmung des Entfeuchtungsdefizits
Betragen die Feuchteabgaben 80 kg/h und transportiert die Lüftung 20 kg/h ab (Winterbedingungen mit trockener Aussenluft), liegt das Defizit bei 60 kg/h. Dieses Defizit muss der Entfeuchter decken.
Berücksichtigung des Betriebsmodus
Läuft der Entfeuchter rund um die Uhr, entspricht die erforderliche Leistung dem Defizit. Läuft er zeitlich begrenzt (z. B. 16 h/Tag) und beträgt der tägliche Feuchteeintrag 500 kg/Tag, muss die Leistung mindestens 500 ÷ 16 = 31 kg/h betragen.
Leistungsreserve
Der Entfeuchter sollte nicht am Limit betrieben werden. Empfohlen wird eine Reserve von 20–30% zur Kompensation unvorhergesehener Lasten. Liegt die berechnete Leistung bei 60 kg/h, beträgt die empfohlene installierte Leistung: 60 × 1,25 = 75 kg/h.
Leistungsverteilung
Für grosse Hallen ist der Einsatz mehrerer Entfeuchter statt eines einzigen leistungsstarken Geräts sinnvoll. Das verbessert die Luftverteilung, bietet Redundanz bei Ausfall eines Aggregats und ermöglicht eine stufige Leistungsanpassung je nach Hallenauslastung.
Beispielrechnung: Eisfläche 2000 m², Hallenvolumen 15 000 m³, 1000 Zuschauer. Gesamt-Feuchteabgabe während der Veranstaltung – 80 kg/h, Winterlüftung führt 20 kg/h ab. Defizit 60 kg/h. Veranstaltungsdauer 3 Stunden, Entfeuchterbetrieb 12 Stunden pro Tag (vor, während und nach der Veranstaltung).
Täglicher Feuchteeintrag: 80 × 3 (während der Veranstaltung) + 15 × 21 (Maschine und Infiltration in der übrigen Zeit) = 555 kg/Tag. Erforderliche Leistung: 555 ÷ 12 = 46 kg/h. Mit 25% Reserve: 46 × 1,25 = 58 kg/h.
Empfehlung: zwei Entfeuchter à 30 kg/h oder drei à 20 kg/h für flexible Regelung und Redundanz. Alle Zahlen sind Richtwerte für dieses Beispiel.

Zusammenspiel von Lüftung, Heizung und Entfeuchtung
Lüftung und Entfeuchtung sind keine Alternativen, sondern ergänzende Systeme. Die Lüftung stellt die hygienisch erforderliche Frischluft für Zuschauer sicher (ca. 20–30 m³/h pro Person), der Entfeuchter regelt die Luftfeuchte.
Koordinationsalgorithmus für den Betrieb dieser Systeme:
- Ist der Feuchtegehalt der Aussenluft niedriger als der innere Zielwert – Zuluft bis zu den hygienischen Anforderungen oder leicht darüber erhöhen
- Ist der Feuchtegehalt der Aussenluft ähnlich oder höher – Zuluft auf das hygienische Minimum begrenzen, die Hauptentfeuchtung übernimmt der Entfeuchter im Umluftbetrieb
- Bei sehr hohem Aussenluft-Feuchtegehalt (feuchte Sommertage) – Zuluft auf das hygienische Minimum minimieren und Entfeuchterleistung bzw. Laufzeit erhöhen
Die Umluft über den Entfeuchter wird so organisiert: Ansaugung aus der oberen Hallenzone, wo die Luft durch Zuschauer und Verdunstung wärmer und feuchter ist. Nach Entfeuchtung und leichter Erwärmung (Kondensationswärme) Rückführung in die Halle. Typische Umluftvolumenströme entsprechen 1–2 Hallenvolumina pro Stunde für wirksame Durchmischung und Entfeuchtung.
Die vom Entfeuchter abgegebene Wärme ist zu berücksichtigen. Ein Kondensationsentfeuchter gibt die Kondensationswärme (ca. 2500 kJ/kg entfernter Feuchte) plus Kompressorwärme ab. Entfernt der Entfeuchter 60 kg/h, liegt die Wärmeleistung bei etwa 42 kW. Diese Wärme gelangt in die Halle und kann die Lufttemperatur erhöhen, weshalb der Betrieb mit Heizung bzw. Kühlung zu koordinieren ist.
Das optimale Verhältnis zwischen Lüftung und Entfeuchtung wird anhand der regionalen Klimadaten bestimmt. Im Winter kann die Lüftung 30–50% der Entfeuchtung übernehmen, im Sommer sinkt ihr Beitrag auf 0–10%. Diese Werte sind klimatisch abhängig.
Energieeffizienz der Kondensationsvermeidung: Einsparung an Kälteleistung
Die Energieverluste durch Kondensation auf der Eisoberfläche beeinflussen den Gesamtenergiebedarf der Halle erheblich. Bei Kondensation wird Kondensationswärme (2500 kJ/kg) frei, beim Gefrieren Erstarrungswärme (335 kJ/kg). Zusammen (2835 kJ/kg Feuchte) belastet dies die Kälteanlage.
Quantitative Bewertung der Zusatzlast: Gelangen 80 kg/h Feuchte in die Halle und kondensieren vollständig auf dem Eis, beträgt die zusätzliche Wärmelast 80 × 2835 ÷ 3600 = 63 kW. Bei einer Leistungszahl (COP) der Kälteanlage von ca. 2,7 (typisch für Eishallen) bedeutet das zusätzlichen Strombedarf von 63 ÷ 2,7 ≈ 23 kW. Über 10 Betriebsstunden sind das 230 kWh pro Tag bzw. rund 7000 kWh pro Monat.
Wird ein Entfeuchter installiert, der 60 kg/h Feuchte entfernt, bevor sie auf das Eis gelangt, sinkt die Zusatzlast der Kälteanlage auf 16 kW (Strombedarf 6 kW), was eine Einsparung von 17 kW bzw. 170 kWh pro Tag ergibt.
Bei der Bilanzierung ist zu beachten, dass ein Kondensationsentfeuchter elektrische Energie für den Kompressor benötigt. Das spezifische Leistungsaufnahmeverhältnis typischer Geräte liegt bei ca. 0,6–0,8 kW pro 1 kg/h Entfeuchtungsleistung. Für 60 kg/h ergibt dies etwa 40 kW – scheinbar höher als die Einsparung an der Kälteanlage (17 kW).
Allerdings kompensiert die vom Entfeuchter abgegebene Wärme (rund 42 kW bei 60 kg/h) den Heizbedarf der Halle teilweise. Soll die Halle bei +12°C gehalten werden und liegt die Aussenluft bei -10°C, reduziert diese Wärme den zusätzlichen Heizbedarf.
Die Gesamteinsparung setzt sich aus drei Komponenten zusammen:
- Reduzierter Stromverbrauch der Kälteanlage
- Verringerter Heizbedarf der Halle (Abwärme des Entfeuchters)
- Reduzierte Wärmeverluste über die Gebäudehülle bei niedrigerer relativer Feuchte (weniger Kondensation in Bauteilen)
Schätzungen zufolge kann die Gesamteinsparung je nach Klima und Betriebsweise 20–40% des Entfeuchterverbrauchs betragen.
Weitere Vorteile der Kondensationsvermeidung sind eine verlängerte Lebensdauer metallischer Konstruktionen (weniger Korrosion), bessere Eisqualität sowie bessere Sicht für Sportler und Zuschauer durch ausbleibenden Nebel.
Typische Planungsfehler bei der Auslegung von Feuchtekontrollsystemen
Bei der Planung von Feuchtekontrollsystemen für Eishallen treten häufig Fehler auf, die die Effizienz des Gesamtsystems deutlich mindern:
Unterschätzung der Feuchteabgabe durch Zuschauer
Planer rechnen oft mit einer durchschnittlichen Hallenauslastung (50–60%) und berücksichtigen nicht die Spitzenlasten bei Vollauslastung, etwa bei Finalspielen oder populären Events. Folge: Der Entfeuchter bewältigt die Spitzenlast nicht, es bildet sich Nebel, die Sicht verschlechtert sich.
Ignorieren der Infiltration durch Tore im Sommer
Die Feuchtebilanz wird oft für winterliche Bedingungen gerechnet, wenn die Aussenluft trocken ist. Sommerliche Bedingungen mit hohem Aussenluft-Feuchtegehalt werden nicht analysiert. Folge: Beim Öffnen der Tore gelangt im Sommer viel feuchte Luft ein, die der Entfeuchter nicht schnell genug verarbeiten kann.
Fehlende Koordination zwischen Lüftung und Entfeuchtung
Systeme werden häufig von unterschiedlichen Auftragnehmern oder zeitlich versetzt geplant – ohne ausreichende Abstimmung. Die Lüftung kann ganzjährig mit maximaler Zuluft laufen und im Sommer feuchte Aussenluft einbringen. Das erhöht die Last für den Entfeuchter oder macht die Einhaltung der Zielwerte unmöglich. Folge: Ineffizienter Betrieb beider Systeme, hoher Energieverbrauch, unzureichende Entfeuchtung.
Fehlender automatischer Feuchteregelbetrieb
Werden Entfeuchter und Lüftung manuell oder über separate Timer ohne Rückmeldung von Feuchtesensoren betrieben, ist ein optimaler Betrieb nicht sicherzustellen. Folge: Energieverschwendung oder unzureichende Entfeuchtung bei wechselnden Bedingungen.
Unzureichende Leistungsreserve des Entfeuchters
Entfeuchter werden bisweilen exakt nach Rechenwert ohne Reserve ausgewählt. Bei höherer Hallenauslastung oder ungünstigen Wetterlagen laufen sie am Limit und erreichen die Zielwerte nicht. Folge: periodische Nebel- und Kondensationsbildung.
Falsche Anordnung von Luftansaugung und -auslass
Befindet sich die Ansaugung in der unteren, eisnahen Zone (kühle, absolut trockenere Luft) und erfolgt die Zuluft in derselben Zone, entsteht eine Kurzschlussströmung. Der Entfeuchter behandelt die ohnehin relativ trockene Grenzschichtluft, ohne die warme, feuchte Luft in der oberen Zone zu beeinflussen.
Ignorieren der Feuchteabgaben der Eisaufbereitungsmaschine
Die intensive Verdunstung von Heisswasser beim Fluten wird oft unterschätzt oder als episodisch abgetan. Folge: Nach Resurfacer-Einsätzen steigt die Luftfeuchte abrupt, es bildet sich Nebel, der 30–60 Minuten anhält, bis die Entfeuchtung nachzieht.

Grenzen standardisierter Ansätze: Wann die Methodik anzupassen ist
Es gibt spezifische Betriebsbedingungen von Eishallen, die eine Anpassung der Standardmethodik zur Entfeuchtungsauslegung erfordern:
Sehr niedrige Eistemperaturen
Für Eisschnelllauf kann die Eistemperatur auf -10°C oder tiefer abgesenkt werden, um maximale Härte zu erzielen. Die Differenz zwischen Eis- und Taupunkttemperatur wächst, die Kondensationsintensität steigt. Standardmethoden können die erforderliche Entfeuchterleistung unterschätzen. Anpassung: Berechnete Leistung um 30–50% erhöhen oder den Ziel-Feuchtegehalt auf 2,5–3 g/kg statt typischer 3,5–4 g/kg senken.
Hallen mit offenen Konstruktionen und grosser Verglasung
Ältere oder untypische Gebäude können grosse kalte Flächen ausserhalb des Eises aufweisen, auf denen ebenfalls Feuchte kondensiert (ungedämmtes Dach, grosse Fenster in der kalten Jahreszeit). Standardmethoden berücksichtigen oft nur das Eis. Anpassung: Zusätzliche Kondensation auf anderen kalten Flächen analog berechnen und der Gesamtbilanz hinzufügen.
Multifunktionale Hallen mit Umrüstung
Wird die Halle sowohl als Eishalle als auch als Konzert- oder Sporthalle genutzt (Eis mit Belag abgedeckt), ändert sich das Feuchteverhalten stark. Ohne freiliegendes Eis entfällt die kalte Kondensationsfläche, der Entfeuchtungsbedarf sinkt oder entfällt. Ein Entfeuchter mit konstanter Leistung ist dann ineffizient. Anpassung: Stufige oder stufenlose Leistungsregelung vorsehen sowie die Möglichkeit, den Entfeuchter im „ohne Eis“-Betrieb komplett abzuschalten.
Alte Gebäude mit hoher Luftdurchlässigkeit
Ältere Bauten können erhebliche Infiltration über Undichtigkeiten der Hülle, alte Fenster und Türen aufweisen. Der rechnerische Feuchteeintrag über Infiltration wird dann oft deutlich unterschätzt. Anpassung: Gebäude auf Luftdichtheit prüfen, Infiltration im Rechenmodell anpassen. Gegebenenfalls zuerst die Gebäudehülle verbessern, danach den Entfeuchter dimensionieren.
Regionen mit extrem feuchtem Klima
In tropischen oder subtropischen Regionen kann die Aussenluft im Sommer 18–22 g/kg Feuchtegehalt aufweisen. Bereits geringe Infiltration oder Zuluft bringt enorme Feuchtemengen ein. Lüftung hilft dann nicht bei der Entfeuchtung; es ist vollständige Umluft über den Entfeuchter erforderlich. Standardmethoden unterschätzen hier oft den Umfang. Anpassung: Aussenluft auf das absolute hygienische Minimum reduzieren, zusätzliche Entfeuchterleistung vorsehen, gegebenenfalls Einsatz von Adsorptionsentfeuchtern prüfen, die bei hohen Temperaturen effizienter arbeiten.
Normative Einschränkungen zur Luftfeuchte
Einige Regelwerke schreiben eine minimale relative Luftfeuchte für den Zuschauerkomfort vor (z. B. nicht unter 30–35%). Bei +12°C Hallenluft und 30% r. F. beträgt der Feuchtegehalt ca. 2,5 g/kg, der Taupunkt liegt bei etwa -10°C. Bei -5°C Eis ist die Sicherheitsreserve von 5°C ausreichend. Verlangt die Norm jedoch 40% r. F., steigt der Feuchtegehalt auf ca. 3,5 g/kg, der Taupunkt auf -4°C, die Reserve beträgt nur 1°C – Kondensation wird möglich. Anpassung: Mit den Normen abstimmen, ob für Eishallen eine niedrigere r. F. zulässig ist, oder die Hallenlufttemperatur erhöhen, um die Reserve zu vergrössern.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man den Entfeuchter durch eine höhere Lüftungsleistung ersetzen?
Das hängt vom Feuchtegehalt der Aussenluft ab. Ist dieser niedriger als der innere Zielwert (typisch im Winter: Aussen 1–2 g/kg, innen 3,5–4 g/kg), kann mehr Zuluft Feuchte abführen. Die erforderlichen Volumenströme können jedoch sehr hoch sein.
Zahlenbeispiel: Es sind 60 kg/h Feuchte zu entfernen. Liegt die Aussenluft bei 1,5 g/kg und die Innenluft bei 6 g/kg, beträgt die Differenz 4,5 g/kg. Erforderlicher Zuluftstrom: 60 ÷ 4,5 ÷ 1000 ÷ 1,2 = 11 111 m³/h. Bei 15 000 m³ Hallenvolumen entspricht das einem Luftwechsel von 11 111 ÷ 15 000 = 0,74 h⁻¹ – ein beachtlicher Wert. Dieser Zuluftstrom müsste zudem von -10°C auf +12°C erwärmt werden, was etwa 82 kW Heizleistung erfordert.
Im Sommer, wenn der Aussenluft-Feuchtegehalt höher ist als innen, verschlechtert mehr Zuluft die Situation. Ein Entfeuchter ist daher ein unverzichtbarer Systembestandteil. Alle Zahlen sind Richtwerte.
Welche relative Luftfeuchte ist in einer Eishalle optimal?
So gestellt ist die Frage nicht zielführend. Der optimale Parameter ist nicht die relative, sondern die absolute Feuchte bzw. der Feuchtegehalt der Luft. Die relative Feuchte hängt von der Temperatur ab und bestimmt Kondensation nicht eindeutig.
Für die Kondensationsvermeidung ist der Taupunkt massgebend. Vorgehen: Eistemperatur (z. B. -5°C), Taupunkt muss mindestens 2–3°C darunter liegen (also -7°C bis -8°C), Hallenlufttemperatur (z. B. +12°C).
Im psychrometrischen Diagramm ergibt sich für +12°C und Taupunkt -8°C ein Feuchtegehalt von etwa 3,5 g/kg. Die relative Feuchte liegt dann bei rund 33%. Erhöht man die Hallentemperatur auf +15°C bei unverändertem Feuchtegehalt von 3,5 g/kg, sinkt die relative Feuchte auf ca. 28%, der Taupunkt bleibt jedoch -8°C und die Kondensationsbedingung ist weiterhin erfüllt. Optimal ist also ein Feuchtegehalt von 3–4 g/kg, nicht eine bestimmte r. F. Alle Zahlen sind Richtwerte.
Wie lange dauert die Entfeuchtung der Halle nach einer Massenveranstaltung?
Das hängt vom Feuchteüberschuss, der Entfeuchterleistung und dem Hallenvolumen ab. Vorgehen: Feuchteüberschuss und das zu behandelnde Luftvolumen berechnen.
Zahlenbeispiel: Hallenvolumen 15 000 m³, Luftdichte 1,2 kg/m³, Luftmasse 18 000 kg. Nach der Veranstaltung stieg der Feuchtegehalt von 3,5 g/kg (Ziel) auf 6 g/kg, Überschuss 2,5 g/kg. Überschüssige Feuchtemasse in der Hallenluft: 18 000 × 2,5 ÷ 1000 = 45 kg.
Hat der Entfeuchter 60 kg/h Leistung und arbeitet ausschliesslich auf Absenkung (keine neuen Feuchtequellen), beträgt die theoretische Dauer: 45 ÷ 60 = 0,75 h bzw. 45 Minuten.
In der Praxis wird nicht das gesamte Volumen in einem Durchgang behandelt, der Betrieb erfolgt im Umluftmodus. Die Wirksamkeit hängt von der Durchmischung ab. Entspricht der Umluftvolumenstrom etwa einem Hallenvolumen pro Stunde, können 1,5–2 Stunden erforderlich sein. Alle Werte sind Richtgrössen.
Beeinflusst die Eisart die Wahl des Entfeuchters?
Ja, aber indirekt – über die Eistemperatur. Verschiedene Sportarten erfordern unterschiedliche Eistemperaturen: Eishockey benötigt hartes Eis bei ca. -5°C, Eiskunstlauf weicheres Eis bei ca. -3...-4°C für besseren Kantenhalt, Curling sehr spezielles „Pebble“-Eis bei ca. -5...-7°C.
Niedrigere Eistemperaturen bedeuten grössere Differenzen zum Taupunkt, intensivere Kondensation und einen niedrigeren Ziel-Feuchtegehalt. Für Curling bei -6°C Eis sollte der Ziel-Taupunkt bei etwa -9°C liegen, entsprechend ca. 3 g/kg bei +12°C Hallenluft. Für Eiskunstlauf bei -3°C Eis liegt der Ziel-Taupunkt bei -6°C, Feuchtegehalt ca. 4 g/kg.
Damit ist für Curling eine höhere Entfeuchterleistung (oder geringere Feuchteabgaben) erforderlich als für Eiskunstlauf unter sonst gleichen Bedingungen. Alle Angaben sind Richtwerte.
Wie ändern sich die Entfeuchtungsanforderungen bei Umrüstung zur Konzertarena?
Wird eine Eishalle zur Konzertarena umgerüstet, ändern sich die Bedingungen grundlegend. Deckt ein wärmedämmender Belag die Eisfläche ab, wird die kalte Kondensationsfläche isoliert. Damit entfällt der Hauptgrund für eine tiefe Entfeuchtung.
Bei Konzerten treten jedoch neue Faktoren auf: deutlich mehr Personen (oft 2–3-mal so viele wie bei Sportevents), Einsatz von Bühnennebel und Pyrotechnik – alles mit höherer Feuchteabgabe.
Optimal ist der Einsatz variabler Entfeuchtungsleistung oder eines Kaskadenkonzepts. Im Konzertbetrieb kann ein höherer Ziel-Feuchtegehalt (5–6 g/kg statt 3–4 g/kg bei offenem Eis) eingestellt und die Entfeuchtungsleistung entsprechend reduziert werden.
Ebenfalls wichtig ist eine Anpassung der Lüftung: höhere Frischluftvolumenströme zur Einhaltung der Hygieneanforderungen bei grösserer Personenzahl. Ein integraler Ansatz optimiert den Energieverbrauch für die unterschiedlichen Nutzungsmodi einer multifunktionalen Arena.
Fazit
Die Feuchtekontrolle in Eishallen ist eine zentrale ingenieurtechnische Aufgabe, die nicht allein über die Lüftung gelöst werden kann – aufgrund der saisonal stark schwankenden Aussenluftfeuchte. Der Schlüsselparameter ist nicht die relative Feuchte, sondern der Feuchtegehalt der Luft bzw. die Taupunkttemperatur. Um Kondensation zuverlässig zu verhindern, muss der Taupunkt mindestens 2–3°C unter der Eistemperatur liegen.
Die Auswahl des Entfeuchters basiert auf der Feuchtebilanz: Alle Feuchtequellen (Zuschauer, Eisaufbereitung, Infiltration, Duschen) berechnen, den Lüftungsbeitrag saisonabhängig bestimmen und das Defizit durch den Entfeuchter mit 20–30% Leistungsreserve decken.
Entfeuchter und Lüftung müssen koordiniert arbeiten. Im Winter unterstützt die Lüftung die Entfeuchtung, im Sommer trägt der Entfeuchter im Umluftbetrieb die Hauptlast. Die Abwärme des Entfeuchters reduziert den Heizbedarf, und die Kondensationsvermeidung senkt die Kältelast. Eine detaillierte Energiebilanz kann eine Gesamteinsparung von 20–40% des Entfeuchterverbrauchs aufzeigen.
Typische Planungsfehler (Unterschätzung von Spitzenlasten, Ignorieren sommerlicher Infiltration, fehlende Systemkoordination) führen zu Nebelbildung, Korrosion und höherem Energieverbrauch. Standardansätze sind für Extremfälle anzupassen: sehr tiefe Eistemperaturen, alte Gebäude mit hoher Infiltration, feuchtes Klima.
Planenden Ingenieuren wird empfohlen, eine detaillierte Feuchtebilanz für alle Jahreszeiten und Betriebsmodi zu erstellen, Leistungsreserven vorzusehen, eine automatische Koordination von Lüftung und Entfeuchtung auf Basis von Feuchtesensordaten sicherzustellen und die Energieeffizienz ganzheitlich zu betrachten (Kälte + Heizung + Entfeuchtung).
Alle in diesem Artikel verwendeten Zahlen sind ingenieurtechnische Richtwerte und hängen von den projektspezifischen Bedingungen ab.